Cyberduck – FTP-Client mit Texterkennung und Google-Docs-Anbindung

Die kostenlose FTP-Anwendung Cyberduck ist bisher nur Mac-Freunden ein Begriff gewesen. Nun ist sie auch für Windows verfügbar. Das anwenderfreundliche Programm kann weit mehr als nur FTP-Verbindungen aufbauen, um Dateien von entsprechenden Servern herauf- und herunterzuladen. Besonders interessant: Es kann mit Hilfe von Google Docs aus eingescannten Seiten Texte per OCR (optische Zeichenerkennung) extrahieren.

Das Programm mit dem Quietscheentchen im Logo unterstützt darüber hinaus zahlreiche Protokolle wie SFTP, SCP, SSH, WebDAV sowie die Onlinespeicher Amazon S3, Google Storage, Google Docs, Windows Azure und Rackspace. Das Interface der Windows- und Mac-Ausgabe unterscheidet sich nur marginal. Für Anwender, die häufig zwischen Mac- und Windowsrechner hin- und herwechseln hat das einen gewaltigen Vorteil: Sie müssen kein neues Programm erlernen, sondern machen einfach weiter wie gehabt.

Cyberduck: Die breite Protokollauswahl lässt (fast) keine Wünsche offen

Das Interface von Cyberduck weicht von den meisten FTP-Clients ab, die es für Windows gibt. Es bietet nur eine einzige Fensteransicht und nicht wie sonst üblich zwei, in denen die Verzeichnisse eures Rechners denen des Servers gegenübergestellt werden. Der Cyberduck-Anwender zieht einfach vom Desktop oder über den Windows-Explorer Daten in die Oberfläche, um sie herauf- beziehungsweise in anderer Richtung herunterzuladen.

Dateitranfer-Fenster in Cyberduck

Serververbindungen speichert Cyberduck in Form einer Liste mitsamt aussagekräftigen Icons ab. Diese Lesezeichen lassen sich problemlos mit einem Doppelklick wieder aufrufen. Wer will, kann auch die Passwörter mit speichern, doch das sollte aus Sicherheitsgründen besser unterbleiben. In den Einstellungen finden sich sinnvolle Funktionen wie die Limitierung der Bandbreite, um die DSL-Leitung nicht lahm zu legen, wenn größere Up- und Downloads laufen.

Lesezeichen zeigen die Verbindungen als Icons an

Für Webdesigner besonders interessant ist die Bearbeiten-Funktion, die über die rechte Maustaste ausgewählt wird. Damit werden Dateien in einem Rutsch heruntergezogen, in einem beliebigen Editor geöffnet und auch sofort wieder hochgeladen, wenn man sie im Editor speichert. Das erspart mehrere, sonst separate Arbeitsgänge und ist besonders bei kleinen Änderungen sehr hilfreich.

Ziemlich extravagant ist die Unterstützung von Google Docs. Cyberduck kann den Onlinespeicher der Textverarbeitung und Tabellenkalkulation von Google ansprechen. Wer einen eingescannten oder abfotografierten Text dorthin hochlädt, kann ihn durch eine Texterkennung (OCR) schicken. Die Textdokumente liegen nach kurzer Zeit in Google-Docs vor und können dort weiter bearbeitet oder wieder herunter geladen werden. An der Erkennungsqualität hapert es jedoch noch. Google unterstützt als Ausgangsmaterial die Formate JPEG, PNG, GIF und PDF.

Wer die OCR-Funktion nutzen will, muss sie nach der Installation von Cyberduck erst aktivieren. Der passende Menüpunkt ist in den Programmeinstellungen unter Google Docs zu finden. Außerdem lassen sich bei Google abgelegte Dokumente in diversen Formaten wie Word, Powerpoint, Excel, HTML, OpenOffice, RichText und als Bilddatei herunterladen und neue Dokumente zur Bearbeitung hochladen.

Einstellung der OCR- und Exportfunktionen für Google Docs

Für Profis interessant ist die Unterstützung von Amazons Cloudfront-Dienst CDN (Content Delivery Network), mit der Amazon S3-Dienst gefüttert werden kann. Die Daten werden dann von Amazon auf Server gespiegelt, die überall in der Welt stehen – in Europa, Nordamerika und Asien. Ruft ein Anwender nun aus seinem Heimatland die Daten auf, werden sie ihm geografisch naheliegend ausgeliefert. So sollen hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und kurze Antwortzeiten möglich werden. Cyberduck ermöglicht auch das Löschen der Daten aus diesem Netzwerk.

Zum Vergleich: Cyberduck unter Mac OS X

Noch ist Cyberduck 4.0 für Windows in der Betaphase und kostenlos erhältlich. Der Entwickler freut sich aber über Spenden und will künftig die Funktionen der Mac- und Windowsfunktion parallel entwickeln, damit sie stets auf dem gleichen Niveau sind.

Loadblog-Fazit:

Cyberduck ist mit Sicherheit einer der ungewöhnlichsten FTP-Clients, die es derzeit gibt. Seine breite Protokollunterstützung lässt fast keine Wünsche offen. Die Anbindung an Google Docs ist ein Schmankerl, das man zumindest einmal ausprobieren sollte, wenn man ein Google-Konto besitzt. An das Einzelfenster der Programmoberfläche muss man sich jedoch erst gewöhnen.

Kostenloser Download Cyberduck (Windows)
FTP-Client mit breiter Protokollunterstützung für Windows

Kostenloser Download Cyberduck (Mac OS X)
Der originale FTP-Client für Mac OS X

Über den Autor

Olena Seregina

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Was ich nicht darf, steht im Strafgesetzbuch.
Und alles andere kann ich selbst entscheiden.
/ viktor37/

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