Duke Nukem Forever

Duke Nukem Forever

Bangen und hoffen

„Always bet on Duke!“ Duke Nukem Forever hat mit 14 Jahren Entwicklungszeit verschiedene Vaporware-Awards gewonnen, die Engine wechselte mehrmals, am Ende ging sogar der Entwickler 3D Realms pleite und das Projekt galt als gescheitert, die Entwicklung als eingestellt: Alle Schwierigkeiten hielten den blonden Actionhelden nicht davon ab, sich nach mehreren anderen Abenteuern erneut in das Egoshooter-Genre zu stürzen. In dem lange erwarteten Nachfolger zum 1996 erschienenen Duke Nukem 3D legt sich der Duke erneut mit Schweinepolizisten und anderen fiesen Aliens an, um in Las Vegas knackige Ladies zu retten.

Begonnen hatte die Entwicklung bereits 1997, doch besonders durch immer wieder neue Umstellungen auf aktuelle Grafikengines verzögerte sich der Release immer weiter. Dass der von 3D Realms genannte Termin dennoch letztlich eingehalten wurde, liegt nur daran, dass er seinerzeit mit „when it’s done…“ angegeben worden war.

„Done“ war jedoch 3D Realms nach 12 Jahren Entwicklungszeit, die vor allem in den letzten Jahren aus Entwicklungsschwierigkeiten bestanden, und 20 bis 30 Millionen US-Dollar Entwicklungskosten, die aus 3D-Realms-Boss George Broussards Privatvermögen finanziert worden waren: Der Entwickler meldete 2009 Insolvenz an. Nach Rechtsstreitigkeiten von 3D Realms mit Pubisher Take 2 wegen der Insolvenz landete der Titel nach einen Vergleich bei Take 2, dessen Tochterfirma 2K dem totgesagten Titel eine Wiederbelebung bei einem alten Bekannten verschaffte.

Bevor Randy Pitchford das unter anderem durch Borderlands bekannte Entwicklerstudio Gearbox gründete, arbeitete er selbst bei 3D Realms an der Atomic Expansion für Duke Nukem 3D. Dass ausgerechnet seine Firma eines Tages den Shooter fertigstellen würde, hätte er nicht in seinen wildesten Träumen gedacht, meinte Pitchford im Januar bei der Ankündigung, dass Duke Nukem Forever am 3. Mai für PC, PlayStation 3 und XBox 360 in Nordamerika und drei Tage später weltweit erscheinen soll.

Die Spieleschmiede Tryptich Games arbeitet für Gearbox ebenfalls an Duke Nukem Forever. Mit einer Ausnahme setzt sich der Entwickler aus ehemaligen 3D-Realms-Mitgliedern zusammen.

Dampf und Eis
Im Februar wurde bekannt, dass sich der Duke auf dem PC an Valves Onlineplattform Steam binden wird. Durch das Verfahren wird eine Registrierung notwendig und ein Weiterverkauf verhindert, dafür kann das Spiel immer wieder auf den Account heruntergeladen werden und Patches werden automatisch eingespielt. Publisher 2K Games hatte die Methode bereits bei Civilization 5 und Mafia 2 angewendet, bei denen optionale Spielerweiterungen als kostenpflichtige DLCs nachgereicht wurden. Ladenkäufer können neben der Standardedition auch eine Balls-of-Steel-Edition erwerben, die als Boni neben einigen Kleinigkeiten ein 100-Seiten-Buch mit der Geschichte, ein nummeriertes Zertifikat und eine Duke-Büste enthält. Die in limitierter Auflage vertriebene Edition erscheint nicht nur für den PC, sondern auch für die beiden Konsolen.

Im Mehrspielermodus wird es möglich sein, das duketypische Arsenal einzusetzen, um seinen Gegnern etwa mit dem Devastator einzuheizen oder sie mit dem Freezer abzukühlen und anschließend in Eiswürfel zu zerstampfen. Wie im Einzelspieler-Part steht auch hier die Action im Vordergrund: „Der Mehrspielermodus ist etwas, bei dem wir herausfinden wollen, wie wir ihn präsentieren sollen, damit man fühlen kann, dass man ihn spielen muss. Mit Screenshots kann man das nicht wirklich vermitteln“, so Pitchford zum Thema, warum keine Multiplayerbilder existieren.

Duke Nukem Forever

Bilder existieren jedoch vom Singleplayer-Modus, der Pitchford zufolge 16 bis 18 Stunden dauern soll. Dieser beginnt mit einer Hommage an den Vorgänger Duke Nukem 3D, nach der der inzwischen zum Weltstar avancierte Macho in eine Talkshow gehen will. Statt dieser läuft jedoch plötzlich die Meldung von einer Landung der angeblich inzwischen friedlichen Aliens im Fernsehen. Die Situation gerät jedoch außer Kontrolle, nachdem die Extraterrestrier ihre wahren Absichten offenbaren, indem sie Las Vegas angreifen und junge Frauen entführen, um mit ihnen eine Alienarmee zu zeugen. In durchgeskripteten linearen Levels macht sich der Duke also auf, um die Damen zurückzuholen und nebenbei die Welt zu retten. Wie bei Mafia 2 reicht es aus, kurz in Deckung zu gehen, um das als Gesundheit fungierende Duke-Ego wieder aufzuladen. Neben Schießereien stehen auch Geschicklichkeitseinlagen und Suchspiele auf dem Programm, so müssen etwa Reaktorteile mit einer speziellen Brille entdeckt werden. Auch Fahreinlagen sind vorhanden, unter anderem in einem Miniaturauto.

Neben den markigen Sprüchen sorgen auch zahlreiche Anspielungen für Humor. So wird etwa die Egoleiste durch Machoverhalten aufgeladen: Wenn der Duke Autogramme verteilt oder sich im Spiegel betrachtet, kann er sich mit mehr Egopunkten brüsten. Apropos: In einem kürzlich vorgestellten Video kämpfte der Actionheld gegen einen weiblichen Bossgegner mit drei entblößten Brüsten. Bosskämpfe soll es übrigens deutlich mehr als im Vorgänger geben, jedoch werden die Bosse nicht strategisch anspruchsvoll sein.
Zu dem Spiel soll eine spielbare Demo erscheinen, die für Käufer der Game-of-the-Year-Fassung von Borderlands etwas früher als für andere Spieler verfügbar gemacht werden soll.

Boobs, Bullets, Bombs
In einem im Januar veröffentlichten actiongeladenen Trailer, der auf der offiziellen Homepage dukenukemforever.com betrachtet werden kann, waren Verpixelungen wie bei Kane & Lynch 2 zu sehen, wonach Vermutungen über entsprechende weltweite Zensuren aufkamen. Ein neuer Trailer für die International Achievement Awards 2011 mit dem Duke und dem Borderlands-Roboter Claptrap zeigte bei entsprechenden Stellen wie beim obengenannten Bossgegner keine Verpixelungen mehr. Am Ende des Videos schaltete der Duke ein Achievement frei — möglicherweise eine Anspielung auf freispielbare Errungenschaften. Diese hatten Entwickler Gearbox und Publisher 2K bereits in ihren vergangenen Titeln wie Mafia 2 und Borderlands eingesetzt. Die Wüstengrafik wirkte ähnlich der Borderlands-Grafik, jedoch möchte Gearbox noch optische Verbesserungen vornehmen. Konkret waren dabei die Shader-Effekte angesprochen, während über die etwas matschigen Texturen keine Angaben gemacht wurden. Wie Borderlands verwendet auch Duke Nukem Forever die Unreal-Engine.

Duke Nukem Forever

Eine Spielversion auf der Firstlook Gaming Convention in Amsterdam 2010 zeigte ebenfalls keine Verpixelungen, enthüllte jedoch ein Checkpoint-Speichersystem, bevor der Duke zum Kampf gegen den Endgegner aus Duke Nukem 3D antrat. Dabei zeigten sich optisch ansprechende Effekte, die bereits seit längerer Zeit Standard sind, sodass grafische Neuerungen nicht zu erwarten sind. Auch das Soundniveau ragt nicht über vergleichbare Titel hinaus. Nach dem Bosskampf stellte sich heraus, dass es sich um die Spielvorstellung im Spiel handelte, die der Duke gegenüber Zwillingsschwestern damit kommentierte, dass das Spiel nach 12 Jahren Entwicklungszeit besser auch gut ist. Als erfolgreicher Geschäftsmann in Las Vegas, wozu die Popularität nach seiner Weltrettung beigetragen hatte, möchte der Duke endlich das Spiel Duke Nukem Forever veröffentlichen. Daneben betreibt er das Ladykiller-Casino, stilecht mit einem Duke-Museum, Goldstatuen und natürlich weiblichen nackten Tatsachen.

Einig ist sich das Entwicklungsteam, dass das Hauptansinnen des Titels im Spaß liegt. So gab Senior Producer Melissa Miller bekannt, dass Innovationen nicht das Ziel der Entwicklung bei Gearbox waren. Stattdessen verlasse man sich auf den Duke, den bekannten Humor und das Gameplay, das Rätselelemente beinhalten soll. Man werde später neue Waffen finden, aber die beliebtesten Waffen seien aus dem Vorgänger übernommen worden, so Miller. Wer also auf üblichere Waffen zurückgreifen möchte, kann sich also mit Shotgun und Rohrbombe seinen Weg bahnen und muss keine Alienwaffen verwenden, die laut Miller jedoch neue Spielmöglichkeiten eröffnen sollen.

Spiel und Film
Inhalt und Gewalteffekte wie Splatter und Finishing Moves richten sich an Erwachsene, was von der PEGI und bei einer USK-Vorprüfung mit Altersfreigaben ab 18 Jahren bestätigt wurde. Die ESRB vergab ein M-Rating (17+) und wies auf Gewalt, Kraftausdrücke, starken sexuellen Inhalt und Alkohol oder Drogen hin. In Australien erscheint der Duke unzensiert. Ob dies auch in Deutschland der Fall sein wird, steht noch nicht fest, jedoch sind die Jugendschutzanforderungen ähnlich. Bei einer geschnittenen Fassung könnte jedoch wie bei Call of Duty: Black Ops auch die Importmöglichkeit verwehrt sein.

Übrig bliebe für Spieler normalerweise, sich das Spiel direkt von Steamnutzern aus dem Ausland schenken zu lassen, was gerade bei Unbekannten mit diversen Risiken verbunden ist, etwa wenn man an einen Kreditkartenbetrüger gerät, weshalb Valve von dieser Praxis bei Fremden abrät. Valve-Chef Gabe Newell machte jedoch auch Spielern ohne diese Möglichkeit Hoffnung. Valve möchte nach zahlreichen Kundenbeschwerden eine Altersprüfung einführen, durch die Inhalte nicht mehr automatisch in Deutschland zensiert werden müssten. Die Frage nach einer geeigneten Prüfung ist jedoch bis heute nicht ausreichend geklärt, so lassen sich etwa Ausweisnummern einfach generieren.

Es ist dadurch unwahrscheinlich, dass Steam die Prüfung in naher Zukunft einführen wird.
Für die deutsche Fassung wurde mit Manfred Lehmann der Synchronsprecher von Bruce Willis als Duke-Stimme gewonnen. Im Original wird der blonde Macho wie in allen Duke-Nukem-Spielen seit Duke Nukem 3D von Jon St. John gesprochen. Der österreichische Händler Gameware bestätigte, dass neben der deutschen auch die englische Sprachversion enthalten sein wird.

Entwickler Gearbox möchte 2,5 Millionen Einheiten des Egoshooters verkaufen. Auch der Grafikkartenhersteller Nvidia erhofft sich unter anderem durch den Duke wachsende Umsätze. Randy Pitchford schränkte jedoch ein, dass bei der veränderten Marktsituation schwer einzuschätzen sei, ob sich ein Spielkonzept aus den 90ern noch behaupten kann, zumal es harte Konkurrenz gebe. Weniger als eine Million Verkäufe wären eine Katastrophe, so der Gearbox-Chef.

Fraglich bleibt nur noch, ob der erstmals 1998 angekündigte Duke-Nukem-Film, inzwischen unter Scott Faye im dritten Anlauf befindlich, jemals erscheinen wird. 2009 befand sich dieser angeblich in der Vorproduktionsphase. Aber vielleicht wollte der Duke trotz des Spielreleases einfach den Vaporwarestatus behalten. Nachdem Fayes Max-Payne-Film 2008 von negativer Kritik überschüttet wurde, könnte man es ihm nicht verübeln…

Über den Autor

Olena Seregina

Was ich soll und schulde, steht im Steuerbescheid.
Was ich nicht darf, steht im Strafgesetzbuch.
Und alles andere kann ich selbst entscheiden.
/ viktor37/

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