Dunkle Wolken über Spanien

Nach Irland droht nun auch dem nächsten Euro-Sorgenkind die Abwertung seiner Bonitätsnote durch eine Ratingagentur: Spanien. Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute berichtete, teilte die Agentur Moody’s mit, eine Herabstufung des Ratings zu prüfen. Als Gründe wurden die Sorgen über die Stabilität des Bankensektors, der hohe Finanzierungsbedarf des verschuldeten Landes, und die schlechte finanzielle Lage der Haushalte einzelner Regionen genannt. Jedoch werde nicht mit einer Inanspruchnahme des Rettungsfonds (EFSF) gerechnet, wie die Ratingagentur mitteilte. “Moody’s geht nicht davon aus, dass die Zahlungsfähigkeit Spaniens bedroht ist, und das Basisszenario geht davon aus, dass die Regierung den EFSF nicht um Liquiditätshilfen bitten muss”, wie die zuständige Analystin Kathrin Mühlbronner betonte. Moody’s wertet das Land derzeit mit der Note “Aa1″. Ende September hatte es noch die Bestnote “AAA”.

Hoher Finanzierungsbedarf

Diese Nachricht kommt zu einem für Spanien denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) heute berichtete, plane das Land Ende dieser Woche Staatsanleihen im Wert von drei Milliarden Euro auszugeben. Da die Laufzeiten mit zehn bis 15 Jahren relativ lang seien, werden die von den Anlegern geforderten Zinsen wohl recht hoch ausfallen. Die Nachricht zeigte an den Märkten schon Wirkung, heute morgen stiegen die Renditen auf bereits ausgegebene spanische Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit um 0,1 Prozent auf 5,61 Prozent. Bei Staatsanleihen ist dies für dies ausgebenden Länder eher negativ und kommt fallenden Kursen gleich. Dies machte sich auch beim Euro bemerkbar, dessen Wert kurzfristig unter 1,33 Dollar sank. Sollte nun auch noch Spanien als viertgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums Hilfen aus dem EFSF in Anspruch nehmen müssen, würde dies zu einer Verschärfung der Schuldenkrise führen. Auch müsste dann wohl das Volumen des Rettungsschirms vergrößert werden, was Deutschland und Frankreich bislang noch ablehnen.

Wie die FTD berichtete, bereite nicht nur der hohe Finanzierungsbedarf der Zentralregierung sorgen, sondern auch der der Regionen und Banken. Bereits am Montag gab Moody’s an, dass nach ihrer Schätzung die spanischen Banken eine Eigenkapitalerhöhung um insgesamt 17 Milliarden Euro aufbringen müssten, um die ab Januar 2013 geltende Quote von acht Prozent der risikogewichteten Aktiva zu erfüllen. Außerdem wären noch längst nicht alle Verlusten abgeschrieben. Von 176 Milliarden Euro seien erst 88 Milliarden als Verlust verrechnet worden. Die daraus resultierenden Probleme für den Staat könnten sich noch verschärfen. Bislang hat die Madrider Regierung den angeschlagenen Finanzsektor mit 15 Milliarden Euro gestützt, diese Summe könnte sich aber noch deutlich erhöhen. In Spanien ging die Wirtschaftskrise, ähnlich wie in Irland, mit dem Platzen einer Immobilienblase einher, was etliche Kredite ausfallen ließ.

Mäßige Gesamtverschuldung

Laut dem Blatt würde Spanien auch nach einer selbstständigen Sanierung des Finanzsektors noch einen erheblichen Finanzierungsbedarf besitzen. So habe der Finanzdatendienstleister Bloomberg berechnet, dass im kommenden Jahr Staatsanleihen im Wert von 59 Milliarden Euro auslaufen werden. Dazu kämen laufende Zinszahlungen und die notwendige Neuverschuldung, die sich nach Einschätzungen der EU-Kommission im Jahr 2011 auf 6,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes belaufen werde. Nach vorläufigen Berechnungen betrage sie in diesem Jahr 9,3 Prozent, was Spanien in dieser wenig prestigeträchtigen Kategorie auf den dritten Platz hinter Irland und Griechenland katapultieren würde. Schaut man sich jedoch die Gesamtverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt an, steht Spanien gar nicht so schlecht da. Mit einer Quote von 64,4 Prozent liege Spanien sogar noch vor Deutschland, dessen Quote von der EU-Kommission auf 78,8 Prozent geschätzt wird.

Doch trotz der düsteren Aussichten ist für Madrid noch nicht alles verloren. Zu dieser Einschätzung kommt auch Moody’s. Am Mittwoch betonte die Agentur, dass das Land nicht mit Griechenland oder Irland zu vergleichen sei: “Moody’s betrachtet Spanien weiterhin als weitaus kreditwürdiger als andere hoch verschuldete Staaten der Euro-Zone”, wie es in der Mitteilung hieß. Während Fitch die irische Bonität schon auf “BBB+” herabsetze, wird das Land bei Moody’s noch mit “Aa2″ bewertet, eine Herabstufung wird aber derzeit geprüft. Griechenlands Note liegt derzeit bei “Ba1″.

Schlechte Nachricht für den DAX

Auch deutsche Papiere hatten heute unter der Mitteilung zu leiden. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete, verlor der Leitindex DAX mit einem Zählerstand von 6971 Punkten gegen Mittag knapp 0,8 Prozentpunkte. Auch der MDax (-0,7 Prozent auf 9832 Punkte) und TecDax (-1,35 Prozent auf 825 Punkte) bauten ab. Grund für den allgemeinen Kursverlust waren vor allem Bankaktien, die für ihre Investitionen in das Sorgenkind Spanien abgestraft wurden. Die Papiere der Deutschen Bank verloren zwei Prozent und sanken auf einen Stand von 39,36 Euro. Auch die Commerzbank musste einen Verlust von 1,25 Prozent auf 5,83 hinnehmen. Am stärksten baute der Konsumgüterkonzern Beiersdorf ab, was jedoch weniger mit Madrid, als vielmehr mit dem geringer erwartetem Gewinn im nächsten Jahr, aufgrund steigender Investitionen zu tun hatte. Mit einem Minus von 3,82 Prozent auf 42,03 Euro bildete Beiersdorf das Schlusslicht des DAX’.

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Olena Seregina

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