Konflikte vermeiden – aber wie?

Ein guter Vorsatz für das neue Jahr – Konflikte zu vermeiden – aber wie?
Konflikte lauern überall, an der Arbeit, in der Schule, mit den Eltern, dem Partner, den Freunden und Nachbarn. Die Gründe sind so vielfältig wie das Leben selbst. Eins aber haben alle Konflikte gemeinsam: Sie belasten, sie kosten Geld, Zeit und Kraft.
Bevor wir zu der Frage kommen wie sich Konflikte vermeiden lassen, möchte ich an dieser Stelle einmal darlegen was ein Konflikt, ein Streit oder ein Problem ist.
Konflikt zwischen Partnern
Wir reden von einem Konflikt, wenn sich eine Person durch eine andere beeinträchtigt fühlt. Eine alltägliche Situation; ein Autofahrer schnappt Ihnen den letzten Parkplatz vor der Nase weg. Was passiert? Sie fühlen sich beeinträchtigt, Sie haben den Parkplatz zuerst gesehen. Sie stehen also im Konflikt zu der Person, die Ihnen den Parkplatz weggeschnappt hat. Das bedeuten aber noch lange nicht, dass die andere Person auch mit ihnen einen Konflikt hat – schließlich konnte diese Person ja problemlos parken.

Einer Person, der etwas fehlt hat ein Bedürfnis – im Beispiel das Bedürfnis zu parken. Bedürfnisse, die man auch als unerfülltes Verlangen bezeichnen kann, lösen Konflikte aus und können aggressiv machen.
Dieser Konflikt kann zu einem Streit führen. Nehmen wir an, Sie gehen zu der Person und sagen ihr – hey, ich war zuerst hier, das ist mein Parkplatz. Antwortet die Person – vielleicht mit einem „Pech gehabt“ oder ähnlich, ist der Streit geradezu vorprogrammiert.
Zu einem Streit gehören also immer zwei. (Es gibt zwar auch hierzu Ausnahmen, auf die ich aber hier nicht eingehen möchte) Gibt nun in diesem Streit keiner nach, bekommen die beiden ein Problem. Als Problem bezeichnet man allgemein ein Hindernis, eine Aufgabe, deren Lösung schwierig ist.
Soweit mein Beispiel – Sie kennen aus eigener Anschauung vermutlich viele andere Begebenheiten.

Wie vermeide ich aber einen Konflikt oder einen Streit?

Wie wir bereits weiter oben gelernt haben, handelt es sich um einen Konflikt, wenn sich eine Person durch eine andere beeinträchtigt fühlt. Das heißt im Umkehrschluss – Konflikte können gar nicht vermieden werden es sei denn Sie schaffen es alle Ihre Bedürfnisse abzulegen.
Wenn wir den Konflikt schon nicht vermeiden können, wollen wir doch zumindest den drohenden Streit vermeiden. Es gibt verschiedene Wege einen Streit zu vermeiden. Ich kann flüchten und dem Streit aus dem Weg gehen, ich kann mich unterwerfen und nachgeben oder ich versuche den anderen zu unterwerfen, zur Flucht zu bewegen oder im schlimmsten Fall versuchen ihn zu vernichten. Aber ist das zufriedenstellend? – Für mich nicht. Deshalb hier ein paar Tipps, wie sich ein mäßig eskalierter Streit schnell und einvernehmlich lösen lässt.

– Finden Sie heraus um was sie streiten, welche Bedürfnisse hat ihr Streitpartner, welche Bedürfnisse haben sie.

– Fragen Sie was den anderen verärgert hat. Lassen sie den anderen ausreden. Fragen sie nach, wenn ihnen etwas nicht klar ist – interpretieren und deuten sie niemals.

– Erklären sie dem anderen ihre Beweggründe, sagen sie offen welches Bedürfnis zu ihrem Verhalten geführt hat. Sprechen sie in der ICH Form, machen sie keine Vorwürfe.

– Sie können Verhalten kritisieren das sie stört, aber nicht die Person und nicht die vermeintliche Absicht – die Absicht können sie vermuten aber in Wirklichkeit kennen sie die Absicht gar nicht. Verallgemeinern sie nicht – der Satzanfang – immer machst Du, immer kommst Du – beinhaltet einen Angriff und der verlangt nach Verteidigung.

– Drücken sie ihre Wünsche aus. – Ich wünsche mir anstatt ich will. Wünsche zu erfüllen fällt leichter als Forderungen nachzukommen. Bieten Sie gleichzeitig etwas an um dem anderen entgegenzukommen – man nennt das Kompromiss.

Beherzigen sie diese Ratschläge; Sie werden staunen wie viele Konflikte bereits im Anfangsstadium aus dem Weg geräumt werden können. Und sollte der Streit doch eskalieren, denken Sie vor einer Klage über eine Mediation nach. Mediation ist ein vertrauliches Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines Mediators freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konfliktes abstreben und so den Streit ein für alle Mal beilegen.

Ich wünsche Ihnen ein konfliktarmes 2016.

Über den Autor

Olena Seregina

Was ich soll und schulde, steht im Steuerbescheid.
Was ich nicht darf, steht im Strafgesetzbuch.
Und alles andere kann ich selbst entscheiden.
/ viktor37/

6 Kommentare

  • Super Artikel! :-) Ich habe mit meinem Ehemann auch abgemacht, dass wir versuchen mehr zu diskutieren, statt zu streiten. Wir also mehr die Meinung des Partner respektieren, statt jedesmal Konter zu geben. Vor kurzem habe ich gelernt, dass besser ist nicht mit „Warum?“ zu fragen, es klingt sehr vorwurfsvoll. Besser ist, wenn man mit „Woran liegt es?“ oder „Was hat dich motiviert so zu handeln?“ reagiert. Diese Phrasen entspannen total und greifen die andere Partei nicht an – das klappt hervorragend! :-)

  • Naja, also das könnten viele auch falsch verstehen. Wenn jemand wütend ist und man grinst dem jenigen ins Gesicht und nimmt die Person nicht ernst, kann das auch respektlos rüber kommen. Also die Theorie ist oft einfacher als die Praxis. Zudem ist das auch sehr Typ- und Charakterabhängig. Einige reagieren lockerer auf dass, worüber sich andere wieder total aufregen würden. Aber es sind dennoch sehr hilfreiche Tipps dabei. ;)

  • Einfach ignorieren und auf keine Diskussionen eingehen, so verliert auch die Person gegenüber die Lust zu streiten, da kein Gegenwind kommt. Sollte man jedoch in eine Lage kommen, wo es einfach nicht anders geht, dann sollte man versuchen die andere Seite nicht zu provozieren und mit einer normalen Stimmlage sprechen, so hat die Person gegenüber auch nicht das Gefühl, in „Gefahr“ zu sein. LG

  • Hallo Olena,

    der Beitrag fasst wirklich einige der wichtigsten Punkte super zusammen. Empathie ist sicherlich eines der großen Schlagworte – sich in den anderen hineinversetzen und auch mal andere Perspektiven anerkennen und versuchen zu verstehen.
    Bei mir gibt es gerade einen Beitrag zu den Eskalationsstufen von Konflikten. Sicherlich auch sehr hilfreich, wenn man, so wie du, am besten frühzeitig einen Konflikt bearbeiten möchte.

    blog.nicht-streiten.de/2016/01/14/eskalationsstufen/

    Viele Grüße aus Leipzig
    Aline

  • Einfach die Ruhe nicht verlieren, seinen Gegenüber lieb anlächeln und das Ganze nicht so furchtbar ernst nehmen – das ist bereits die halbe Miete zur Konfliktvermeidung! Die Spezialisten versuchen es mit Kommunikationstraining, etwa „Gewaltfreier Kommunikation“ nach Marshall Rosenbrg. Sehr zu empfehlen, übrigens…

  • Den meisten Streitigkeiten versuche ich aus dem Weg zu gehen und gebe deshalb oft klein bei… Meistens ist mir mein Seelenfrieden mehr wert, als Recht zu bekommen. Aber, Vorsatz fürs neue Jahr: nicht jedem Konflikt aus dem Weg gehen und mich auch mal durchsetzen!! Nicht immer nur wünschen, sondern auch mal wollen…
    Vielen Dank für den schönen Artikel.
    VG Sonja

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