Menowin Fröhlich – ist er wirklich das größte Medienopfer 2010?

Menowin Fröhlich, der sich im Frühjahr 2010 bei der Castingshow DSDS bei RTL den zweiten Platz ersungen hat, geistert derzeit als Medienopfer durch den Pressedschungel. Was ist daran wahr?

Nun, schauen wir doch einfach einmal zurück.

Für Menowin war es bereits der zweite Anlauf bei DSDS. Wie wir bereits berichteten, wurde er bei seinem ersten Versuch, als 17jähriger im Jahr 2005, kurz vor der Show, bei der er es unter die letzten Teilnehmer geschafft hatte, verhaftet. Scheckbetrug und Körperverletzung waren die Delikte, für die er danach ins Gefängnis gehen musste. Nach einem Freigang kam er nicht zurück. In der Zwischenzeit – drei Jahre waren vergangen – hatte er mit seiner Cousine drei Kinder gezeugt. Während der Haft hatte er übrigens seinen Hauptschulabschluss nachgeholt und eine Malerlehre absolviert. Er bekam trotz allem Bewährung.

Auch die DSDS-Macher waren gnädig. Er bekam eine zweite Chance und wieder kam er unter die besten Teilnehmern. Wie wir wissen, ist DSDS so aufgebaut, dass die Teilnehmer in der Regel ein „außergewöhnliches Schicksal“ vorweisen. Das Schicksal von Menowin gab sogar noch mehr her als das der meisten Teilnehmer: eine drogensüchtige Mutter mit fünf Kindern von verschiedenen Vätern, die in der Regel in Pflegefamilien aufwuchsen, seine Herkunft als Sinti und seine Straftaten, die er inzwischen bitterlich bereute.

Menowin Fröhlich (c) RTL / Stefan Gregorowius

Am 22.2. war die Berichterstattung über Menowin noch eher rührselig. Man beschrieb, was er für eine schwierige Kindheit gehabt habe und dass seine Mutter ihn sogar zum Drogendealer mitgenommen habe.

Das änderte sich, als er zum ersten Mal auffällig wurde und ins Hotel zog. Die DSDS-Mitbewerber waren offenbar sauer, weil Menowin präsenter in den Medien war.

„Anfängliche Freunde entwickeln sich immer mehr zu Kontrahenten.“

heißt es in der Bild. Aber auch:

Er bekommt den Zuspruch eines Millionenpublikums.

Anfang April wurde bekannt, dass Menowin nicht mehr zu den Proben erschien. Er war tagelang verschwunden und kam erst sechs Stunden vor der Show wieder zurück. Angeblich war er bei seiner krebskranken Tante, die ihn großgezogen hatte. Das war dann wohl der Anfang vom Ende. Die Bild-Zeitung vom 4.4.2010 schreibt dazu noch recht neutral.  Allerdings konnte man bereits lesen:

„Proben mit der Band, Gesangstraining, Einspielfilme – alles ließ er sausen, sogar das wichtige Foto¬shooting für die Plattencover der zukünftigen Superstars.“

Auch erfuhr man durch Mehrzad Marashi, dem späteren Gewinner der Staffel:

„Er wird bei uns nur ‚König Fröhlich‘ genannt, weil er von sich selbst immer als King spricht“

Am 7. April war der Ton Menowin gegenüber nicht mehr so freundlich. Es erschien in besagter Tageszeitung das Strafregister des späteren DSDS-Zweiten: 7x Körperverletzung, 10x Betrug , 10x Diebstahl, 1x Hausfriedensbruch, 1x Hehlerei konnte man lesen.

Noch schlimmer fand man wohl aber das, was man inzwischen herausgefunden hatte:

„DSDS-Favorit Menowin Fröhlich (22) lügt sich durchs Leben. Erst vor wenigen Tagen behauptete er, er würde seine kranke Tante besuchen – in Wahrheit feierte er Partys.“

Jemand muss diese Informationen der Bild-Zeitung zugespielt haben. War Menowin als Sieger inzwischen untragbar geworden? Er wurde allmählich gefährlich, auch weil er bis jetzt aus jeder Mottoshow als haushoher Sieger hervorging. Der Gewinner muss allerdings nach seinem Sieg belastbar genug sein, um Auftritte zu absolvieren und Platten aufzunehmen. Zuverlässigkeit ist gefragt. Er muss pünktlich zu Terminen erscheinen und sein Bestes geben. So ist es und so war es immer. Hatte man da jetzt nach Menowins Alleingängen Bedenken? Am 16.4. titelte die Bild:

Kokain-Vorwürfe! Polizei ermittelt gegen DSDS-Menowin”

und fragte gleichzeitig:

Könnte ihn dieser Skandal den Sieg kosten?”

Die Polizei ermittle bereits seit dem 25. März, da eine anonyme Anzeige eingegangen sei. Menowin wird zur Last gelegt, größere Mengen Kokain im DSDS-Loft in Hürth bei Köln gelagert zu haben und das Koks auch den anderen Kandidaten angeboten zu haben.

Einen Tag später legte die Bild noch einmal nach, mit einer Schlagzeile, die Menowin Fröhlich wahrscheinlich endgültig den Sieg gekostet hatte:

So ein Typ darf nicht Superstar werden!”

Folgerichtig gewann Mehrzad Marashi mit über 56 Prozent der Zuschauerstimmen.

Trotz allem gab es auch gute Neuigkeiten: Am 22. April verkündete Neumüller, er habe Menowins Mangement übernommen und nach der Fußball-WM würde man loslegen. So lange wollte nun aber Menowin Fröhlich nicht warten, zumal es Produzenten gab, die sofort mit ihm eine CD aufgenommen hätten. Das Problem dabei: er hatte Verträge zu erfüllen, die ihm das nicht erlaubten. Da kamen die Booker Richard Lugner und Schwiegersohn in spe Helmut Werner gerade recht: Sie boten ihm an die 200.000 Euro für eine drei Monate dauernde PR-Tour. Menowin nahm an. Aber das Angebot, mit dem DSDS-Sieger Mehrzad Marashi eine erste Single mit „Sweat“ zu produzieren, schlug er aus. Verletzter Stolz? Der sollte ihm noch zum Verhängnis werden, denn bis heute gibt es immer noch keine Single von ihm. Die Fans werden seit Mai 2010 mit monatlich wiederkehrenden Versprechungen „die CD kommt bald, er ist im Studio“ vertröstet und die noch verbliebenen glauben es wohl auch.

„Menowin ist ein Macher“

sagte Cousin Sido neulich in einem Interview. Und das bekamen sicherlich jetzt auch die Booker Lugner und Werner zu spüren. Menowin machte, was er wollte. Man wusste nie, ob und wann er zu einem Konzert erschien und in welchem Zustand.

In den Blogs brodelte zu dieser Zeit der Fankrieg zwischen den Menowin- und Mehrzad-Fans, insbesondere, da die Menowin-Fans der Meinung waren, Mehrzad hätte zu Unrecht gewonnen. Inzwischen hat sich das beruhigt. Mehrzad geht seinen Weg. Und Menowin geht einen anderen.

Menowin hatte auf Facebook einmal eine über 140.000 Mitglieder starke Fanbase. Im Sekundentakt wurde dort gepostet. Heute sieht das anders aus.

Er hat es verstanden, durch seine Eskapaden fast alle Fans zu vertreiben.

Sein offen zutage getretenes Problem ist wohl, dass er einer Fehleinschätzung seiner Selbst zum Opfer gefallen ist. Wie man von Werner hörte, ist er bereits mit Starallüren ins Rennen gegangen, hat sich von Anfang an gefühlt als ein Star und Forderungen gestellt wie eine Diva. Sie wurden ihm erfüllt. Inzwischen ist es wohl diese Selbstüberschätzung, die ihn von seinem allzu hohen Thron gestoßen hat. So hoch er aufsaß, so tief ist er gefallen. Es sind noch ein paar, insbesondere ältere, Fans, die ihm die Treue halten. Aber die mag er eigentlich nicht, sonst wäre er doch in Heinsberg auf der Ü30 Party erschienen. Wie man lesen konnte, wurde die im letzten Moment abgesagt, obwohl 150 Damen und Herren bereit waren, je 159 Euro zu zahlen! Auch weitere Auftritte fanden nicht statt. Oder er kam Stunden später. Viele Fans fühlten sich verschaukelt. Und gingen.

Seine Geburtstagsparty am 4. September in Berlin war seine große Chance, zu beweisen, dass die Presse nicht recht hatte mit ihrer Berichterstattung, die inzwischen, nach allem, was er sich geleistet hatte, sicherlich nicht mehr positiv war. Aber das Event war dilettantisch organisiert. Das „Team Menowin“, sein neues Management, log nachweislich, was den Veranstaltungsort betraf. Die Teilnahme an der Party musste mit bis zu 65 Euro (+ Übernachtung + Verpflegung + Fahrt) bezahlt werden. Es wurde wochenlang ein falscher Veranstaltungsort genannt. Und als es dann soweit war, ging Menowin mitten im Happy Birthday-Song von der Bühne und kam nicht wieder. Statt dessen feierte er mit Sido in einem Berliner Club weiter.

Gab das schlechte Presse? Jaaaaaaa! Vorher und nacher.

Menowin hat alles getan, um auch die letzten Fans noch zu verlieren.

Er hat aber nicht nur die Sympathie der Fans verloren. Wundert man sich denn wirklich noch, und kann man Menowin Fröhlich im Ernst noch als Opfer der Presse darstellen, angesichts des Hintergrunds, dass es sich hier um einen jungen Mann handelt, der selbstentscheidend jeden einzelnen Schritt die Karriereleiter heruntergegangen ist? Der sich nichts hat sagen lassen? Der sich mit  seinem jetzigen Management, dem „Team Menowin“ auch noch selbst ins Aus gebracht hat? Denn leider hat er sich keine professionellen Leute mit ins Boot geholt, sondern setzt auf Familienmitglieder. Der 20jährige Cousin, Mikel Fröhlich, war vor seiner Managertätigkeit Lagerarbeiter und hat keinerlei Erfahrung in dieser Branche.

Wenn Menowin Fröhlich, so wie Sido sagt, der Macher ist, dann ist er derjenige, der die Fäden in der Hand hält. Nicht die Presse trägt Schuld, nein, er ist kein Opfer! Er selbst ist der Spieler, der den Medien die Bälle zuwirft. Hätte er auch mal ein Tor getroffen, die Presse hätte auch gerne darüber berichtet!

Fazit: Es wird wohl ein Traum bleiben, dass Menowin mit seiner Musik seine Familie wird ernähren können. Denn nicht umsonst muss er jetzt für mindestens 313 Tage zurück ins Gefängnis, da er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat. Es kam inzwischen, innerhalb der letzten acht Monate, offenbar zu weitere Straftaten. So hat ihn zum Beispiel Helmut Werner wegen Körperverletzung angezeigt. Der wird als Andenken an Menowin lebenslang eine Narbe auf seiner Stirn tragen. Die Zeit mit Menowin war für den Booker offenbar so prägend, dass er darüber ein Buch geschrieben hat, das im Januar erscheinen soll. Des weiteren soll es hohe Regressansprüche eines Veranstalters geben. Da könnte auf die 313 Tage durchaus noch etwas draufkommen, falls der Staatsanwalt und der Richter das genauso sehen.

Es wird wahrscheinlich ruhig werden um Menowin Fröhlich, wenn er demnächst einsitzen muss. Allerdings kann in der Ruhe auch die Kraft liegen. Vielleicht nimmt er sich dann ja einmal die Zeit, reflektiert die letzten Monate und erkennt, woran es gelegen hat, dass trotz aller Chancen nichts so geklappt hat wie es eigentlich sollte. Und vielleicht bekommt er ja noch eine Chance. Vorausgesetzt, er hat inzwischen verstanden, dass nicht er das Opfer ist, sondern der Macher. Vorausgesetzt, er erkennt, dass nur ein neues Management ihm helfen kann. Eins, das auch einen Menowin formen kann. Eins auf das auch ein Menowin hört. Dann, aber auch nur dann, glaube ich, könnte Menowin eine kleine Chance haben, noch einmal ganz von vorne anzufangen.

In diesem Sinne wünsche ich wünsche Menowin Fröhlich ein gesundes, neues und erkenntnisreiches Jahr 2011!

Über den Autor

Olena Seregina

Was ich soll und schulde, steht im Steuerbescheid.
Was ich nicht darf, steht im Strafgesetzbuch.
Und alles andere kann ich selbst entscheiden.
/ viktor37/

Copyright © 2010 - 2017 You-Big-Blog.com