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Baubranche hat höchstes Insolvenzrisiko

Der Himmel über der Baubranche scheint sich zu verdunkeln. Dies zumindest glaubt der Chefvolkswirt des Kreditversicherers Euler-Hermes, Romeo Grill. “Das Risiko für Unternehmenspleiten steigt 2011 deutlich an und dürfte sich 2012 fortsetzen. Ein Grund dafür sind die sinkenden öffentlichen Investitionen in Folge des Sparpakets”, erklärte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Dies berichtete die Wirtschaftszeitung Handelsblatt am Montag.

Allgemeines Insolvenzrisiko sinkt

So sei zwar die Zahl der Unternehmenspleiten im Baugewerbe im letzten Jahr aufgrund von Sonderinvestitionen um 5,3 Prozent gesunken, jedoch müsse 2011 mit einem Anstieg um zwei Prozent auf 5 200 Insolvenzen gerechnet werden. Stiegen die Bauinvestitionen im Jahr 2009 noch um fast vier Prozent, wird für 2011 nur noch mit einem Anstieg von 1,7 Prozent gerechnet. Im kommenden Jahr sollen diese sogar noch weiter auf 1,1 Prozent sinken. “Die Situation wird schwieriger und mit über 150 Fällen auf 10 000 Unternehmen herrscht im Bausektor 2011 nach unserer aktuellen Prognose das mit Abstand höchste Insolvenzrisiko aller Branchen”, so Grill.

Trotz dieser düsteren Aussicht, sinke das allgemeine Pleiterisiko für deutsche Unternehmen in diesem Jahr jedoch deutlich. “Die Wirtschaft hat einen erstaunlichen Aufschwung erlebt und der setzt sich fort”, wie Grill betonte. Während im Krisenjahr 2009 die Zahl der Insolvenzen um fast 12 Prozent stieg, wurde im letzten Jahr ein Rückgang um 0,6 Prozent auf 32 500 Firmenpleiten verzeichnet. In diesem Jahr wird von einer Verringerung um ganze 4,6 Prozent auf 31 000 Pleiten ausgegangen. Da die Wirtschaft schneller als erwartet aus der Krise käme, profitiere auch der Arbeitsmarkt davon, wie das Handelsblatt den Finanzexperten zitierte. So werde Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent im letzten Jahr auf 7,1 Prozent in diesem und 6,9 Prozent im nächsten Jahr sinken.

Managementfehler und zögerliche Kreditvergabe

Betrachtet man die Statistik der Unternehmenspleiten des letzten Jahres, so sehen die Zahlen für die Automobilindustrie, die Chemiebranche, den Maschinenbau und den EDV-Unternehmen am besten aus. Deutlich schlechter stehen Ernährungs- und Bekleidungsindustrie, der Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft da, bei denen es laut Handelsblatt einen deutlichen Anstieg an Pleiten gab. Prognosen für das laufende Jahr zeigen, dass vor allem Unternehmen in Nordrhein-Westfalen ein erhöhtes Insolvenzrisiko haben. Hier wird mit 174 Fällen pro 10 000 Unternehmen gerechnet.

Einen bestimmten Grund für eine solche Pleite lässt sich aber nicht finden. “Meist handelt es sich um Managementfehler”, so Grill. Aber auch eine zögerliche Kreditvergabe der Banken kann zu Problemen bei Unternehmen führen. “Im Vergleich zu 2009 hat sich die Situation verbessert, allerdings ist die Bereitschaft zu Kreditvergabe nicht immer so, wie man sie sich wünschen würde”, erklärte der Experte dem Handelsblatt.

Hoffnung beim Wohnungsbau

Doch ein Bereich der Bauindustrie scheint die schlechte Stimmung nicht zu teilen: der Wohnungsbau. Wie die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch berichtete, wird der Umsatzzuwachs von 2010 im Bereich des Wohnungsbaus auf fünf bis sechs Prozent geschätzt. Dies gehe aus Berechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie hervor. Auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, ist optimistisch. In seinem Verband sind vor allem kleine und mittelständische Betriebe organisiert. “Der Wohnungsbau wird die Baukonjunktur weiter treiben. Mit dem Neubau von Wohnraum wird die Branche in diesem Jahr noch einmal drei bis vier Prozent mehr umsetzen.”

Wie die SZ berichtete, würden mehrere Faktoren eine solche Entwicklung begünstigen. Da wäre zum einem die prognostizierte anhaltende Konjunktur, die mit den steigenden Löhnen die Binnenkonjunktur ankurble und somit auch das Baugewerbe stärke. Hinzu kämen die niedrigen Hypothekenzinsen. Die hatten im letzten Jahr einen historischen Tiefstand erreicht. “Die niedrigen Zinsen haben Immobilien für eine breitere Bevölkerungsschicht interessant gemacht”, wie der Finanzdienstleister Interhyp der Süddeutschen Zeitung erklärte.

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