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Hochtief verhandelt mit ACS

Nach der verbalen Eiszeit zwischen dem größten deutschen Baukonzern Hochtief und seinem spanischen Angreifer ACS reden beide Parteien nun wieder miteinander. In Essen hofft man durch eine Investorenvereinbarung den Streit beizulegen.

Diese Absicht beteuerte Herbert Lütkestartkötter, Vorstandsvorsitzender des Hochtief-Konzerns, heute gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Aktienkurs seines Unternehmens legte in den letzten Wochen deutlich zu. ACS äußerte sich bislang aber nicht zu den Absichten.

Gutes Ergebnis

“Der Gesprächsfaden mit ACS ist wieder aufgenommen”, erklärte er Chef des Essener Konzerns. “Ich bin zuversichtlich, dass wir mit ACS eine vernünftige Vereinbarung zu Regeln für den künftigen Umgang und das künftige Miteinander festlegen können.” Das Ziel sei aber weiterhin eine Investorenvereinbarung. Lüttkestratkötter betonte, dass dies beide Parteien miteinander besprechen müssten – und auch tun würden.

Erfreulich für Hochtief dürfte das zu erwartende Ergebnis für 2010 ausfallen, trotz Übernahmeschlacht und schwächelnder australischer Leighton-Tochter. “Wir sehen, dass wir mit unseren Ergebnissen 2010 weit über dem Vorjahr liegen”, betonte der Konzernchef. Neben dem Konzerngewinn würde auch das Vorsteuerergebnis voraussichtlich deutlich über den Werten von 2009 liegen. Das dürfte vor allem die Aktionäre freuen: “In jedem Fall – wie auch in der Vergangenheit – wird es eine angemessene Beteiligung der Aktionäre am Erfolg geben.”

Mehr Unabhängigkeit

Wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet, zeige sich, dass Hochtief sich mit der Anhebung der Prognose unabhängiger von Leighton gemacht habe. Die australische Tochter hatte in den letzten Jahren den größten Anteil am Gewinn beigetragen. Nun musste das Unternehmen mit Sitz in Melbourne seine Prognose für das Geschäftsjahr 2010/11 senken – nachdem der Gewinn in den ersten sechs Monaten um 25 Prozent eingebrochen war.

Doch Hochtief habe das Baugeschäft in Deutschland saniert und international die Weichen auf Expansion gestellt, so Lüttkestratkötter weiter. Der Hochtief-Kurs steht derzeit bei knapp 68 Euro pro Aktie. Auch das Jahr 2011 lief bislang gut für den deutschen Baukonzern. “Insgesamt sind wir mit unseren Plänen sowohl operativ als auch strategisch ausgesprochen gut unterwegs. Das hat sich seit Jahresbeginn noch einmal bestätigt.”

Expansionsbestrebungen

So könne man sich durchaus vorstellen, im laufenden Jahr nach Indien und Kanada zu expandieren. Gespräche mit potentiellen Partnerfirmen würden bereits in beiden Ländern laufen. Gleichzeitig versuche man weiterhin die Flughafen-Sparte Concessions zu verkaufen. “Wir verfolgen das Ziel eines Verkaufs mit vollem Einsatz und zügig”, erklärte der Konzernchef.

Bereits Anfang des Jahres sicherte sich der spanische Baukonzern ACS 30 Prozent der Anteile an Hochtief. Weitere Aktien können nun bequem über die Börse eingekauft werden, ohne den Aktionären ein teures Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. ACS plant mit der Übernahme die Errichtung eines weltweit führenden Infrastrukturkonzerns. Bei Hochtief glaubt man aber, dass das traditionsreiche deutsche Bauunternehmen zerschlagen werden könnte.

ACS baut Anteil an Hochtief aus

Der spanische Baudienstleister ACS hat seinen Aktienanteil am deutschen Baukonzern Hochtief vergrößert. Damit sinken auch die Chancen die Übernahme noch zu verhindern.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute berichtete, konnte ACS seinen Anteil an Hochtief um mehr als ein Prozent auf 31,59 Prozent ausbauen. Dies teilte ein Sprecher des spanischen Bauunternehmens am heutigen Tag mit.

Spanische Ambitionen

Ein kleines Fünkchen Hoffnung besteht noch. So haben die Hochtief-Anteilseigner noch sieben Bankarbeitstage zeit, vom Übernahmeangebot zurückzutreten. Die Frist hierfür läuft am 1. Februar ab. Am 3. Februar wolle man dann die finalen Ergebnisse des Übernahmeangebots für Hochtief veröffentlichen, wie eine ACS-Sprecherin bekräftigte. In Essen wartet man derweil auf das Resultat: “Wir werden sehen, wie das endgültige Ergebnis aussieht”, so ein Hochtief-Sprecher.

Der Vorstandsvorsitzende von ACS, Florentino Perez, hat nach eigenen Angaben vor, sein Unternehmen zu einem weltweit führenden Infrastrukturkonzern auszubauen. Dessen Angebotspalette soll vom Bau und Betrieb von Mautautobahnen bis hin zu Sportstadien reichen. In Essen fürchtet man, dass das traditionsreiche deutsche Unternehmen zerschlagen werden könnte.

BDI-Chef gegen Übernahme

Mittlerweile hat sich auch Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), zu Wort gemeldet. In einem Interview mit dem Handelsblatt warf er den Spaniern vor, dem deutschen Baukonzern zu schaden: “ACS hat bis heute, soweit mir bekannt ist und was mich nicht wunder würde, kein gemeinsames Geschäftsmodell entwickelt.” Seiner Meinung nach wolle das Unternehmen bei Hochtief keine Werte schaffen, sondern vernichten.

Wie die dpa aus dem Blatt zitierte, halte Keitel von Übernahmen unter großen Baukonzernen ohnehin wenig: “Von jeher haben die traditionellen großen Bauunternehmen der Welt immer wieder einmal gemeinsame Geschäftsmodelle ausgelotet. Immer mit demselben Ergebnis: Wer selbst international aufgestellt ist, kann durch ein Zusammengehen nicht gewinnen. Im Gegenteil, die Verwässerung von internationaler Kompetenz und Finanzkraft wirkt sich negativ aus.”

Übernahme gilt als sicher

Unter Experten und Analysten ist man sich mittlerweile schon fast sicher, dass Hochtief von ACS übernommen wird. Wie Reuters aus nicht näher genannten Finanzkreisen zitiert, könnte etwa eine weitere Kapitalerhöhung als Ausweg gelten. So hätten Händler spekuliert, dass Hedge-Fonds gezielt Hochtief-Aktien aufkaufen könnten um die Spanier wieder unter die entscheidende 30-Prozent-Hürde zu drücken. Jedoch gelten beide Szenarien – Kapitalerhöhung und Hedge-Fonds-Intervention – als unwahrscheinlich.

ACS hatte am 1. Dezember sein Übernahmeangebot vorgelegt, dessen verlängerte Annahmefrist letzten Dienstag um Mitternacht auslief. Schon nach Ablauf der ersten Frist am 29. Dezember konnte man in Madrid über 2,3 Millionen Hochtief-Aktien erwerben, womit die Beteiligung auf 30,34 Prozent stieg.

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