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Deutsche erwarten mehr Lohn

Angesichts des erwarteten, anhaltenden Aufschwungs hoffen viele Arbeitnehmer im kommenden Jahr auf Lohnerhöhungen. Laut einer Umfrage des Handelsblatts rechnet jeder dritte Befragte damit, dass sich sein Einkommen um 2,5 bis 5 Prozent erhöhen wird. Diese Daten ergaben sich aus einer repräsentativen Umfrage der Agentur Faktenkontor und der Meinungsforschungsplattform Toluna. Dies berichtete die Deutsche Presseagentur am Montag. Weiterhin nehme auch die Angst vor dem Jobverlust ab, wie eine andere Umfrage der Forsa ergab, die im Auftrag des Finanzvertriebs AWD durchgeführt wurde. So hätten nur noch 12 Prozent der Beschäftigten Sorge, im nächsten halben Jahr ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Im Sommer 2009 – im Zenit der Finanzkrise – wurde dies noch von über einem Fünftel der Befragten befürchtet.

Wenig Hoffnung auf Konsumboom

Wie die dpa berichtete, hätten die Gewerkschaften mit ihren Tarifforderungen das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. So werden in der Textilbranche derzeit fünf und in der boomenden Chemieindustrie sieben Prozent mehr Lohn gefordert. Die Inflation wird im nächsten Jahr voraussichtlich bei 1,2 Prozent liegen. “Diese Lücke wird dafür sorgen, dass auch tatsächlich mehr Geld in den Taschen der Leute landet”, wie Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, gegenüber der Agentur erklärte. Ökonomen bezweifeln jedoch, dass das zusätzliche Geld in den Taschen der Arbeitnehmer auch zu zusätzlichen Konsum führe. So plane jeder Dritte überschüssiges Kapital in eine bessere Altersvorsorge zu investieren. Dem stehen 18 Prozent gegenüber, die einen aufwendigeren Lebensstil planen und 25 Prozent, die über eine Urlaubsreise nachdenken.

Vor allem die Altersvorsorge steht bei den Deutschen hoch im Kurs. So können sich, statt einer Gehaltserhöhung, 28 Prozent der Befragten mit einer verbesserten betrieblichen Altersvorsorge anfreunden. Gleichzeitig würden 22 Prozent in eine berufliche Weiterbildung investieren. Jeder Dritte glaubt zudem, es gebe keine Alternative zu mehr Geld vom Arbeitgeber.

IMK erwartet geringere Lohnzuwächse

Jedoch wird auch davor gewarnt, dass an der allgemeinen Entwicklung längst nicht alle Arbeitnehmer teilnehmen werden. So zum Beispiel das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung. “Die Lohnentwicklung wird die schwachen Zuwachsraten des vergangenen Jahrzehnts nur langsam hinter sich lassen”, wie Gustav A. Horn, Direktor des Instituts, meint. Ausschlaggebende Gründe hierfür seien der anhaltende Lohndruck durch die schwach regulierte Leiharbeit, Minijobs und Arbeitsmarktreformen. Alles in allem sei im kommenden Jahr nur mit effektiven nominalen Lohnzuwächsen von 1,6 Prozent pro Stunde zu rechnen. Dies reiche aber nicht aus, um einen Konsumboom zu entfachen, wie Horn betonte.

Eine verstärkt auftretende Entwicklung ist die der Nebenjobs. So versuchen immer mehr Menschen ihr Einkommen mit einem solchen aufzubessern. Laut der der Forsa-Umfrage seien dies bereits 15 Prozent der Erwerbstätigen, wobei es sich hier meist um Geringverdiener handele. Vor zwei Jahren betrug der Anteil der Deutschen mit einem Zweitjob lediglich 3,7 Prozent.

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