Gewohnheit… Man gewöhnt sich an alles sagt der Volksmund. Und ich denke das stimmt und ist auch gut so, schließlich gibt es immer Lebensumstände die sich ändern und wir müssen uns immer wieder ein wenig anpassen.

Doch manchmal gewöhnen wir uns an Dinge, die wir niemals für möglich gehalten haben. An Dinge die uns eigentlich vollkommen widerstreben, manchmal sogar an Dinge die unseren Prinzipien völlig widersprechen. Wie kommt es dazu? Wie kann es sein, dass wir Dinge akzeptieren, die zu 180° entgegen dem stehen was wir eigentlich wollen?


Das Tempo entscheidet. Setzt man uns vor vollendete Tatsachen, reagieren wir Menschen meist zuerst mit Widerstand. Es liegt in unserer Natur reflexartig zu reagieren wenn uns etwas überhaupt nicht passt. Kündigt eine Regierung eine Steuererhöhung von 30% an, werden sich in kürzester Zeit Demonstrantenströme auf den Straßen einfinden und die Leute werden sich eine solche Dreistigkeit nicht gefallen lassen. Keine Regierung, würde sich das trauen. Verdoppelt ein Supermarkt seine Preise, würde er in kürzester Zeit pleite gehen. Ein unvorhersehbarer Verlust, menschlich oder materiell, wirft die meisten von uns aus der Bahn – wird unsere gewohnte Welt plötzlich und unvorhersehbar geändert, leisten wir Widerstand.

Gewohnheit bloß keine Veränderungen

Wir haben es nicht mit plötzlichen Veränderungen – es ist ein natürlicher Reflex, der ausgelöst wird. Allerdings ist das nichts ausschließlich menschliches: Versucht man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser zu werfen (nicht ausprobieren, denkt an den armen Frosch!), wird er reflexartig aus dem Wasser hüpfen. Sein Schutzreflex sagt ihm, dass er in Gefahr ist und noch bevor er realisiert was da eigentlich passiert ist, ist er auch schon wieder raus aus dem Wasser.
Langsam geht alles

Da große Gewohnheit Veränderungen diesen Schutzreflex auslösen, werden wir in der Praxis meist langsam „weichgekocht“. Sowohl die Steuern als auch die Supermarktpreise werden langsam erhöht. Wir nehmen die Medizin also nicht mit einem großen Löffel, sondern in kleinen Portionen.

Setzt man den Frosch in einen Kochtopf mit lauwarmem Wasser (auch hier, bitte nicht nachmachen!) wird er dort nicht einfach so heraushüpfen, klar, es gibt ja auch keine Gefahr. Erhöht man nun langsam die Temperatur (nicht nachmachen!!), gewöhnt der Frosch sich an die langsam steigende Temperatur – der Schutzreflex löst nicht aus, selbst wenn die Temperatur für ihn gefährlich wird.

Wir bei uns Menschen funktioniert das analog dazu – erhöht sich der Preis einer Briefmarke um 12 Cent gibt es einen Aufschrei des Entsetzens über diese Dreistigkeit (man hört Dinge wie „Sie nehmen es von den Lebenden“) – unabhängig davon wie lange der Preis in den Vorjahren stabil war.

Erhöht das geneigte Transportunternehmen für Briefwaren den Preis aber fünf Jahre lang jedes Jahr um 3 Cent ist der Aufschrei deutlich kleiner – 3 Cent verschmerzt man leichter als 12. Und ist es in 10 Jahren nur jeweils ein Cent werden viele Verständnis zeigen. Klar, die Inflation trifft uns alle. Je langsamer die Erhöhung desto geringer der Widerstand. Wie der Frosch im Kochtopf merken wir gar nicht, dass wir in ganz kleinen Schritten etwas akzeptieren, was uns in einem großen Schritt stark missfallen würde.
Wie können wir uns das zu nutze machen?

Was haben wir davon das zu wissen, dass man uns weichkochen kann? Ganz einfach, wir können uns selbst weichkochen. Wenn wir etwas verändern wollen, können wir das viel leichter erreichen, indem wir es langsam angehen. Sei es nun eine schlechte Angewohnheit, eine Sucht oder auch nur ein gewohntes Denkmuster das wir ablegen wollen – je kleiner die Schritte sind, desto leichter wird es uns fallen, etwas zu verändern.

Wer es zum Beispiel nicht schafft mit dem Gewohnheit Rauchen aufzuhören – und dabei handelt es sich nunmal um eine schwer zu überwindende Sucht, der schafft es aber vielleicht auf die eine Zigarette nach dem Frühstück zu verzichten. Eine Zigarette am Tag weniger ist ein kleiner Schritt, den sich die meisten Raucher zutrauen. Und nach einer Weile gewöhnt sich der Raucher daran, dass er nach dem Frühstück nicht raucht.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: In der Recherche dieses Artikels wurden keine Frösche verletzt!

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