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David gegen Goliath

Im größten Ballungsraum Deutschlands, dem Ruhrgebiet, vollzieht sich gerade eine für den Strommarkt interessante Entwicklung. Ein Zusammenschluss aus kommunalen Stromversorgern in Essen, Dortmun, Bochum, Duisburg und Oberhausen will den großen Energiekonzernen die Stirn bieten – und kaufen den fünftgrößten Stromproduzenten Steag auf. Um die zurzeit noch zu Evonik gehörende Energiesparte zu übernehmen, ist ein Preis von 649 Millionen Euro notwendig. Dies berichtete gestern das Handelsblatt.

Stütze der Region

Mit dieser Übernahme wollen die Stadtwerke ihre Kooperation intensivieren. Im Ruhrgebiet mit seinen immerhin knapp fünf Millionen Verbrauchern haben sie bereits eine starke Position im Vertriebsgeschäft. Neben der Versorgung mit Strom, Gas und Fernwärme betreiben sie auch ihre eigenen Versorgungsnetze. Einzig in der Stromproduktion sind noch Defizite erkennbar, die jetzt mit der Übernahme ausgeglichen werden sollen. Zu Steag gehören neben sechs großen Steinkohlekraftwerken in Deutschland auch Anlagen in der Türkei, Kolumbien und Philippinen – eine gute Möglichkeit auch im Ausland weiter Fuß zu fassen.

Nach den Plänen des Konsortiums wollen sie eine “starke Stütze der Region Rhein-Ruhr” werden, wie sie in Vorlagen für die zuständigen Kommunalparlamente deutlich machen: “Damit wird die Vision verfolgt, die größte deutsche kommunale Erzeugungsplattform im konventionellen als auch regenerativen Bereich zu schaffen.” Die kommunale Allianz will mit Steag auch weiterhin neue Kraftwerke bauen und in regenerative Energien investieren. Aber auch anderen Stadtwerken soll Hilfe angeboten werden, zum Beispiel in Form von verkäuflichen Bezugsrechten für Kraftwerke.

Rekommunalisierung auf dem Vormarsch

Dass die Kommunen mit ihren recht klammen Kassen nun eine so hohe Investition tätigen wollen, stößt nicht überall auf Zustimmung. Im Landtag von Nordrhein-Westfalen kam es deswegen Anfang Dezember zu einem regelrechten Wortgefecht, weil die neue Landesregierung aus SPD und Grünen extra die Gemeindeordnung änderte, um so den Stadtwerken den Kauf zu ermöglichen. Die vorherige Regierung aus CDU und FDP untersagte den Kommunen ein solches Engagement noch. Vor allem die FDP stört sich an der stetig fortschreitenden Expansion der Stadtwerke.

Am meisten fürchten jedoch die großen Stromversorger EON, RWE, EnBW und Vattenfall die sich immer weiter verbreitende “Rekommunalisierung” auf dem Strommarkt. Sie haben Angst etliche Konzessionen zu verlieren, die zur Betreibung von Strom- und Gasnetzen benötigt werden. Hunderte dieser Konzessionen laufen nur noch wenige Jahre, weshalb viele Städte und Gemeinden nun überlegen anstatt einer neuen Konzessionsvergabe lieber selber wieder eigene Stadtwerke zu gründen. Zum Beispiel haben mehrere Gemeinden im Kreis Coesfeld, Westfalen, vor die Stromnetze von RWE zu übernehmen und damit die “Stadtwerke Münsterland” zu gründen. Auch in Hamburg werden solche Schritte geplant. Mit dem Unternehmen “Hamburg Energie” plant die Stadt mittelfristig auch Konzessionen zu übernehmen.

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